Tabea Borchardt
 

Freie Arbeiten

 

„Von der Möglichkeit, sich mit etwas ab zu finden“ —From the possibility to get away with something. (2018)

 Objekt 1

Objekt 1

 
 

 

 
 
 

Ausgehend von Found Footage, Archivmaterialien, Objekten und Gegenständen werden in meinen aktuellen Arbeiten Begriffe des fotografischen thematisiert. Changierend zwischen Feldforschung aufkeimenden autopoetischen Systemen und rizomatischen Gebilden, gelangen sie zu variablen Anordnungen – und wie im Falle von Objekt 1 – festen Ausformungen von Auseinandersetzungen, ausgehend vom Material selbst. Sie bilden in ihrer Gesamtheit eine persönliche Methaper zur Fotografie.

Existent, jedoch nur in endlicher Form sowie in permanenter Latenz vorhanden, ist sie [die Fotografie] für mich eine visuelle Konstruktion, zusammengesetzt aus Seherfahrung, dem Sehen und Gesehenen selbst. Aufgebracht auf eine Oberfläche, um ein zu durchlässig sein des speichernden Ursprungsmaterials (Film, Glas, Code) zu unterbinden und eine solche Sichtbarwerdung überhaupt erst zu ermöglichen, ohne die dem menschlichen Auge die tatsächliche, vermutet-reale Wahrnehmung eines fotografischen Bildes entzogen worden wäre. Der gewissermaßen fluide Zustand einer Fotografie und die Veränderlichkeit innerhalb des Materials – unabhängig vom aufliegenden Bild – ist hierbei von Interesse. Ebenso die geschichtliche Verschiebung verschiedener Nutzungspraktiken von fotografischen oder lichtbildnerisch entstandenen Abbildungen im Kontext der Fotografie und nah verwandter Verfahren.

Auslöser für diese Arbeiten war die vermeintliche Klarheit die um den Begriff des fotografischen kreist. Ende und Anfang eines Bildes scheinen definiert, allen Unglaubwürdigkeiten gegenüber diesem Medium zum Trotz, beeinflussen Fotografien oder Abbilder unseren Alltag massiv und meist ohne jegliche Hinterfragung. Im Zusammenspiel mit standarisierten, klassischen Formaten, fotografischen Bildträgern ohne direkt identifizierbare Abbildungen oder durchaus noch bekannte Variablen aus der fotografischen Handhabung (beispielsweise Passepartouts), sowie durch Kombination mit Objekten die auch aus fachfremden Gebieten stammen, sind meine Arbeiten zur Thematik zugleich Versuch und Experiment der Einkreisung des für mich tatsächlichen, fotografischen Begriffes.

 
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Nach den Dingen (2015)

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Impressionen eines Projektes. Prozesshafte Fragmente. Das Buch "Nach den Dingen".

Ein Buch, Dinge, persönliche Dinge. Leben. Eine Erinnerung. Ein Schwall von Momenten. Fragmente, Bilder, Erscheinungen. Gerüche, Geräusche. Ahnungen. Dinge, Fassbarkeiten. Unfassbares, frappierend, drängend Aufdrängendes. Orte, Zeitlichkeiten durchdrungen vom Sein und gewesen sein, Haben und gehabt haben.

“Dieses Buch wurde 2016 ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendfotopreis für das "Beste Fotobuch 2016".

 

Angaben zum Buch:

Titel: Nach den Dingen

Handgebunden, Pappeinband

Anzahl: 15 (vergriffen)

Maße: ca. 24x20 cm

Seiten: 80

Fotografien und Bleisatzdrucke sowie eingefügte Objekte aus Papier. 

 

 

 

 

 

Bunkerstein (2018)

 

Ausstellungsansicht der Arbeit “Bunkerstein” auf der C.A.R. (contemporary art ruhr) 2018. Eine Weiterführung der Beschäftigung mit der Geschichte des Ruhrgebietes, und der Historie der Region Essen bedingt durch den 2. Weltkrieg und seine sichtbaren und unsichtbaren Auswirkungen. Visuelle Untersuchung eines Bunkerbruchsteines eines Hochbunkers ehemals existierend an der Margarethenhöhe in Essen, der 2006 gesprengt worden ist.

6 Abbildungen auf Archivalienpapier montiert hinter Glas. Unikate Einzelexemplare.

 
 

Stenstraße 1 A (2017)

 

Die Spurensuche auf historischen Pfaden im Bezug auf das Ruhrgebiet und speziell der ehemaligen Rüstungsschmiede - und somit direktem Kriegsziel im 2. Weltkrieg - Essen, ist eine Suche, in der man sich Schicht für Schicht hineinbegibt in sichtbares und unsichtbares, aktuelles und historisches Material.

Verschiedene Ansätze lassen sich in den Arbeiten von  Tabea Borchardt zum Thema finden. Offensichtliches, dass zum Beispiel  dem flüchtigen Blick entgeht, subtiles, zuweilen kitschiges oder heute nicht mehr vorhandenes, historisches Material oder Gemäuer von Schutzbauten wie dem hier zu sehenden ehemaligen Bunker an der Stenstraße 1A am Rande der Essener Margarethenhöhe.  Geschichten hinter Bombenregen und Patronenhülsen. Ausgangspunkt hierbei waren Recherchen von Archivmaterial ebenso wie Zeitzeugenaussagen und persönliche Entdeckungen.

Diese Arbeit  entstand als Folgearbeit aus einem Projekt der Bildung und Vermittlung des Museum Folkwang. Damals eine  Kooperation mit Studierenden der Universität Duisburg Essen und Folkwang Universität der Künste 2015/2016. Es ist dort eine  Publikation mit dem Teilte "Geschich_tet" entstanden, welche die Arbeit "Auf schwindenden Pfaden" von Tabea Borchardt enthält. "Stenstraße 1A" ist eine Weiterführung der damals erkundeten Ursprungsmaterialien. 

 

 

M4 (Carzinoma) (2016/2017)

 

Die Serie M4 (Carzinoma) enthält Auszüge aus dem Buch »And the trees, they do grow higher« und ist als Wandarbeit konzipiert. Die Bilder sind 70x50 cm und in hellen Holz gerahmt.

 
 

Asche (2016/2017)

 

Weitere Angaben Folgen.

Zwölf Barythandabzüge, gerahmt.

Bildformat: 21x29,7 cm

Nicht zu verkaufen.

Leihgaben / Ausstellungen möglich.

Einzelne Bilder als Barythandabzug erwerbbar. 

 

 

Auf schwindenden Pfaden (2016) / Katalog “Ge_schichtet” Museum Folkwang

 

 

 

Fragmente, rudimentäre Spuren und wenige Aufzeichnungen – viel mehr ist nicht übrig geblieben, das sich mit den Erlebnissen einer Zeitzeugin deckt, die den Bombenhagel in Holsterhausen erlebte. Tabea Borchardt ist ihr begegnet und hat ihre Erinnerungen fotografisch festgehalten. Darunter eine besonders berührende Spur: ein Porzellankätzchen, das als einziger Gegenstand den Bombenangriff auf das Elternhaus in der Steinhausenstraße 23 überstand und das die Holsterhauserin bis heute wie einen Schatz hegt.

 

 

Buch „Geschich_tet“ im Museum Folkwang erhältlich. Mit Beiträgen von Mayk Förster, Tabea Borchardt, Isabell Hoffmann, Dennis Theisen, Lisa Gutscher, Vladimir Unkovic, Jana Scholz und Annika Thilker, Janosch Rauter und einem Nachwort von Peter Daners und Sebastian Bartel. ISBN 978-3-00-051910-9 , Schutzgebühr: € 8,00.
 

 

 

 

 

 

 

 



 

Mantel / Sockel / Spiegel (2015)

 
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Mantel / Sockel / Spiegel  (Installation)

 

Anmerkung: Diese Installation kann leider nicht mehr im Originalzustand  ausgestellt werden. Der Mantel wurde bei einer Ausstellung entwendet und ist leider nicht wieder aufgetaucht.  (03.08.2017)

 
 
 

Schneeheide // Ein Gewerbegebiet entsteht (2015)

 
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Tag für Tag, bin ich die B209 zwischen Klein Eilstorf (meinem ehemaligen Wohnort) und Walsrode hin und her gefahren. Dort, wo nun so obskure Bauskulpturen auftauchen, war ewig Brachland. Landwirtschaftliche Nutzung und Waldfläche überwiegen entlang dieser Strecke. 2015 begann dann der Bau eines Industriegebiets direkt an der Autobahnauffahrt Walsrode-West. Dafür mussten u.a auch die wenigen Wohnhäuser die dort standen weichen. Der allbekannte Anblick veränderte sich im rasanten Tempo - vor allem die Zeit, in der das Land aufgerissen wurde faszinierte mich. Nun sieht es nicht mehr aus wie früher. Ruhig und still. Sondern groß und leer, aber planiert und verziert durch eine beleuchtete Straße ins unbebaute Nichts.

Die obigen Bilder zeigen einen Ausschnitt der bisherigen Aufnahmen. Weitere werden stetig bei der Besuchen der alten Heimat „Heidekreis“ neu aufgenommen.

Diese Arbeit ist Bestandteil des "Regionalen Gedächtnisses" im Museum für Photographie in Braunschweig. 

 

And the tree’s, they do grow higher (2014)

 

Es wird gelacht, es geht in die Tiefe und es geht doch irgendwie weiter. Weiter vor und zurück, seit eineinhalb Jahren auf und ab. Überwiegend
zuhause. Nicht angebunden, nicht immer am Tropf, aber nicht ganz ungebunden. Die Bilder zeigen
meinen Vater, aber nicht mehr meinen Vater, den ich kannte. Energiegeladen, immer mit einem Wortwitz auf den Lippen, voller Ideen. Sie zeigen meinen Vater mit dem Wissen, dass vor Kurzem noch ein 1,5 Kilo schwerer Tumor in ihm wuchs. Unbemerkt. Vielleicht ist es makaber, gerade dann so viele Bilder von einem geliebten Menschen zu machen, wenn er am wenigsten so ist, wie er lange Zeit war - doch der Krebs gehört nun mit zur Familie und gehört so auch mit ins Bild. Jeder einzelne Tag gewinnt an Bedeutung. Mit beständiger Deutlichkeit vorwärtsweisend.

 

 

Ein Buch über den Abschied von meinem Vater.

Ein Buch für Menschen.

Handgebunden, limitierte Auflage (10 Stück)

- Teil der photokina 2014

- Ausgewählt zur Ausstellung Yolo*2 in Düsseldorf 

Eine gemeinsame Unternehmung. Osterfeuer im Heimatdorf. Es sollte unsere letzte sein. Mein Versuch, am Osterabend der Anspannung zu entfliehen und im Nachbardorf eine ruhige Zeit mit Freunden zu verbringen, endet in einem stürmischen Heimweg. Innen wie außen. Kraftlosigkeit beherrscht die Tage. Stille. Schweigen. In sich gekehrt sein. Jeder für sich und doch auch wir alle gemeinsam. Anspannung liegt in der Luft, die Frage nach dem „Wann?“ und „Wie?“ die keiner beantworten kann. Auch kein Arzt oder Mediziner. Niemand. Nur das Leben selbst. Wir reden viel. Doch Schweigen tun wir noch viel häufiger. Was bleibt zu sagen? Erinnerungen schmerzhaft emporzerren? Wofür? Dafür, dass man vor Augen hat das keine gemeinsame Reise mehr möglich sein wird?

Auf meinen Bildern ist mein Vater zu sehen. Meine Mutter. Unser Zuhause. Mein ehemaliges Kinderzimmer, das nun ein Sterbezimmer geworden ist. Auf den Bildern ist kein Darmkrebs zu sehen, kein Krankenhaus, kein permanenter Tropf, kein Sammelsurium an Medikamenten – doch auch all dies bestimmt unseren neuen gemeinsamen Alltag. Den Alltag mit Krebs. Die Bilder entstehen für mich, für meine Mutter, für meinen Vater - für uns zur Verarbeitung und zum Verstehen Lernen dieser besonderen Situation. Auch mache ich diese Bilder, um etwas tun zu können, das Gefühl zu haben, von Nutzen zu sein, auf einem Weg, der sonst unaufhaltsam geradeaus geht und mit Sicherheit im Tod enden wird. Wie jedes Leben.

 

 

 

Titel: And the trees, they do grow higher.

Handgebunden, Leineneinband

Anzahl: 10

Maße: ca. 15x20 cm

Seiten: 65

Farbfotografien und Texte

Bei Interesse am vollständigen Buch aus dieser limitierten Auflage kontaktieren sie mich gern per E-Mail.

 

 

 

 

 

 

PS* (2014)

 

 

 

In acht Bildern begleite ich meinen Vater bei seiner Entscheidung das Reich der Lebenden hinter sich zu lassen. Durch seine Krebserkrankung ist der Körper so stark geschwächt, dass er sich einzig noch den "Oh come heavy sleep" nach John Dowland wünscht. Dank einer palliativen Sedierung , wird ihm dieser letzte Wunsch schmerzfrei und wie ein sanftes Hinübergleiten erfüllt. Mit uns, seinen Lieben an seiner Seite. Diese Arbeit ist die Essenz meiner fotografischen Beschäftigung und Verarbeitung des Ablebens meines Vaters - ebenso wie der Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema vom Sterben im Bild und der Möglichkeit der visuellen Kommunikation von gesellschaftlich relevanten Themen.

 

 

Acht Barythandabzüge, gerahmt.

Bildformate: 21 x 29,7 cm

Nicht zu verkaufen.

Leihgaben / Ausstellungen möglich.